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hebig.com Home > Weblog Archive > Gute Zensur, schlechte Zensur?
Ich bekenne mich ja regelmässig dazu, daß ich meinen Sonntag gerne mit der Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verbringe. Der heutige Tag sollte keine Ausnahme sein, und so habe ich im Englischen Garten mit der hochverehrten Zeitung in der Sonne gesessen - und mich geärgert.
Vorab sei bemerkt, daß ich mir durchaus der Tatsache bewusst bin, daß das Wort "Zensur" ein staatliches Verfahren beschreibt und beispielsweise in der aktuellen Kontroverse um eine mangelnde Alterszugangsbeschränkung bei Yahoo!s deutscher Flickr-Version und der damit verbundenen unternehmerischern Entscheidung, Flickr-Nutzern in Deutschland bestimmte Inhalte vorzuenthalten, das Wort "Zensur" eigentlich unangebracht ist, da §184 StGB die Verbreitung von pornografischen Schriften an Minderjährige tatsächlich unter Strafe stellt. Leider versucht Yahoo! / Flickr lediglich, deutsches Gesetz anzuwenden, ohne dabei mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Daß man diese Tatsache nicht auch vorab hätte kommunizieren können, bzw. daß es nicht unmöglich ist, eine funktionierende Alterschzugangsbeschränkung anzubieten, vor allem für zahlende Kunden, die unter Verwendung einer Kreditkarte bezahlen, steht auf einem anderen Blatt. Und daß deutsche Kunden nun nur noch mit Kreditkarte zahlen können und Paypal keine Option mehr ist, sei ebenfalls nicht Teil dieser Diskussion.
Nun also zur Sonntagszeitung...
Im Technik & Motor-Teil, ganz hinten in V14, ganz unten rechts, findet sich die kleine Meldung "Zensur im Internet", verfasst von Michael Spehr:
In der vergangenen Woche stellte der BIlderdienst Flickr von Yahoo sein Menüsystem auf die deutsche Sprache um. Damit werden gleichzeitig viele Fotos zensiert. "Sichere Suche" nennt Yahoo das. Erboste Nutzer sprechen von Zensur. Außer Deutschland sind auch Hongkong, Korea und Singapur von der Zensur betroffen.
Viel weiter vorne im Blatt finden wir in "Zur Zeit" den Artikel "Der Pädagoge als Freiwild" von Cornelia von Wrangel. Untertitel: "Schüler haben ein neues Mittel, ihre Lehrer zu mobben: Sie verspotten sie per Video-Clip im Netz". In dem Artikel findet sich der Satz:
Aber um die Gefühle der Lehrer geht es ohnehin nicht bei dem, was sich im Internet abspielt, seitdem es dort es Plattformen gibt, die Beiträge unzensiert ins Netz stellen.
(Alle Hervorhebungen von mir.)
Warum ich bei solchen Sätzen wie dem von Cornelia von Wrangel Gänsehaut bekomme? Weil sie suggerieren, daß die Schuld bei den bösen Internetplattformen zu suchen sei. Weil sie suggerieren, daß derartige Probleme nicht bestünden, wenn es a) kein Internet gäbe oder b) die Internetplattformen quasi eine Art Zensur betreiben würden. Und das ist natürlich Blödsinn. Schüler haben Lehrern schon immer Streiche gespielt, das wissen wir nicht erst seit der Feuerzangenbowle. Einige Streiche sind lustig, andere sind bösartig. Das Problem hierbei ist weder das Internet und sicherlich auch kein Mangel an irgendeiner Zensur. Das Problem ist vielmehr, daß moderne Technik neue Verbreitungswege schafft; MMS, Bluetooth, Infrarot, Internet, ... viele Wege führen auch hier nach Rom bzw. ans Ziel. Lediglich die Technik zu verteufeln, ist wenig sinnvoll. Auch wenn es manchmal so einfach wäre.
17. June 2007 at 08:14 PM
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