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hebig.com Home > Weblog Archive > Weniger Überwachung, mehr Intelligenz!
Was haben wir uns köstlich amüsiert über die gutgläubigen Amerikaner in Michael Moore's "Fahrenheit 9/11", die tatsächlich so naiv sind, den Spin Doctors Ihrer eigenen Regierung zu verfallen, und die Schuld für die Anschläge auf das World Trade Center kollektiv dem Irak und Diktator Saddam Hussein in die Schuhe schieben.
Und plötzlich kommt der Terror zu uns nach Hause, und wir schalten unsere Gehirne ab und überlassen den Politikern und einigen "Sicherheitsheitsexperten" die Neuordung unserer Gesellschaft. Mehr Videoüberwachung? Natürlich! Wer würde das denn jetzt noch in Frage stellen? Mehr Personenkontrollen? Na klar! Was hat der Durchschnittsbürger denn zu befürchten?
Bitte nachsprechen: Videoüberwachung hat die Anschläge der Kofferbomber nicht verhindert. Videoüberwachung hat auch die Attentäter von London nicht davon abgehalten, Bomben in U-Bahnen und Bussen zur Explosion zu bringen. Selbstmördern ist es egal, ob sie vor oder während Ihrer Tat fotografiert oder gefilmt werden. Dazu kommt, daß diese Attentäter vor Ihrem Leben als Bombenbastler kaum oder gar nicht straffällig oder überhaupt auffällig geworden sind. Es sind die "netten Nachbarn", die "fleißigen Studenten". Wie erkennt man einen Terroristen? Am Bart? Und was passiert, wenn sich die Terroristen morgen rasieren?
Hierzu passt eine Aussage von Stefan Schraut, Kriminalhauptkommisar bei der Verbrechensbekämpfung im Münchner Polizeipräsidium, der heute mit den folgenden Worten in der tz zitiert wird:
[Die Kameras helfen] bei der Einschätzung: "Auf dem Film sehen wir, wer einen verdächtigen Koffer abgestellt hat. Handelt es sich um eine alte Dame, ist die Anschlags-Gefahr wohl eher gering."
Aha. Und warum muß die alte Dame bei einem Flug in die USA ihre Schuhe ausziehen und darf Ihre Wasserflasche nicht an Bord nehmen? Würde es bei dieser Logik nicht ausreichen, lediglich jungen Männern mit schwarzen Haaren die Mitnahme von Handgepäck ins Flugzeug zu verbieten?
Bitte nochmals nachsprechen: Videoüberwachung hat die Anschläge der Kofferbomber nicht verhindert. Stimmen die Meldungen, die derzeit in diversen Medien verbreitet werden, war es ein Hinweis des libanesischen Geheimdienstes DRAL, der zur Festnahme des mutmaßlichen Bahn-Bombenlegers führte. Man hatte ein Telefonat mit seinen Verwandten im Libanon abgehört. Deutsche Politiker müßten konsequenterweise mehr Telefonüberwachung fordern. Videoüberwachung hat nur indirekt zur Aufklärung der Anschläge beigetragen. Trotzdem wird genau diese Videoüberwachung nun als DIE Lösung im Kampf gegen den Terrorismus präsentiert. Und es ist geradezu erschreckend, wie wenig kritische Fragen in diesem Zusammenhang gestellt werden. Zeitungen und Zeitschriften räumen ganze Seiten frei, um die Vorzüge der modernen Überwachungstechnik zu erläutern. Im Fernsehen traut sich selbst die FDP nicht mehr, öffentlich Kritik am Überwachungsstaat zu äußern.
Rail Marshalls?!? Anstatt auch nur für fünf Minuten diese Idee zu hinterfragen, wird jeder noch so irrwitzige Gedankenblitz in die Öffentlichkeit getragen, nur um ein gefühlte Sicherheit zu erzeugen, die vielleicht klein Erna einschüchtert aber bestimmt keine Terroristen. Und was, wenn die zwei Rail Marshalls im ICE von Hamburg nach Frankfurt in Wagen 7 gemütlich Kaffee trinken, während auf der Toilette in Wagen 12 eine Bombe gezündet wird? Bums.
Wen wollen wir überwachen, wenn wir die Täter nicht kennen? Dieses Problem wird, wenn überhaupt, nur durch einen totalen Überwachungsstaat gelöst, den wir, hoffentlich, nicht wollen. Solange Schläfer in unserer Gesellschaft existieren, die erst dann auffällig werden, wenn es zu spät ist, nämlich in dem Moment, in dem sie Ihre Bombe zünden, hilft keine Kamera dieser Welt, auch nur einen Bahnhof sicherer zu machen.
22. August 2006 at 09:40 AM
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