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Heiko Hebig
Heiko Hebig lives and works in Hamburg, Germany.
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Home > Weblog Archive > Gegenöffentlichkeit?

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Gegenöffentlichkeit?


Romantisch verklärte Blogger mit politischen Interessen oder Ambitionen sehen in Weblogs oft eine Gegenöffentlichkeit zu Berichten der etablierten bzw. staatlichen Medien. Und sicherlich gibt es Versuche, Weblogs gezielt zur Verbreitung alternativer Standpunkte und Ansichten zu verwenden. Globale Vernetzung von unten durch Weblogs, ach das wär schön.

Im krassen Gegensatz hierzu steht das gerade in der deutschen Blogosphäre weit verbreitete Bild des völlig meinungsfreien Bloggers. Man könnte versuchen, dieses Verhalten zu analysieren. Erklärungsversuche scheitern allerdings oft allein daran, daß die "Blogosphäre" eben nicht homogen ist und dies auch gar nicht sein will.

Hinzu kommt, und das behaupte ich jetzt einfach, ein hoher Grad von Gleichgültigkeit gegenüber tagespolitischen Themen. Vielleicht ist es dem gemeinen Blogger einfach scheissegal, ob es in diesem Land jetzt 4 oder 5 Millionen Arbeitslose gibt, ob er von der SPD oder der CDU regiert wird, ob das Wirtschaftswachstum nun 0,5% oder 5,0% beträgt oder ob ein Krieg ausbricht oder nicht. Die Vorgänge in dieser Welt sind oft sehr abstrakt, was kann der kleine Mann schon ändern, und solange ALGII mich nicht direkt betrifft, ist es mir egal. Ich könnte mich prophylaktisch Beschweren oder aber meine kostbare Freizeit mit Autoputzen verbringen. Anschließend mache ich ein Foto von meinem funkelnden Auto und blogge das dann. Und das ist gut so.

Weblogs sind, wenn überhaupt, mehr Öffentlichkeit als Gegenöffentlichkeit. Der Papst ist tot, es lebe der Papst. Es ist wie es ist. Das Leben geht weiter. Die Spaßgesellschaft mag Magenschmerzen verursachen, aber sie bringt Dich nicht um. Und wenn Du Spaß hast, dann kannst Du es in Deinem Weblog dokumentieren. Und wenn Du keinen Spaß hast, nutze Dein Weblog, um Dich auszukotzen. Die Welt ist nicht fair. Und A-List-Blogger sind es auch nicht.

Hunde, die bloggen, beißen nicht. Immerhin.

Comments to this weblog entry:

Genau! Der Versuch einiger Blogger, den Medienwächter und Gralshüter des Schönen, Wahren, Guten zu geben, wirkt mitunter entsetzlich aufgeblasen.

Wenn in/auf Stern/FAZ/RTL oder sonstwo Mist erzählt wird, ist es natürlich begrüßenswert, das zu thematisieren - aber aber einige Kollegen nehmen sich dabei leider fürchterlich wichtig.

Um das mit der Öffentlichkeit/Gegenöffentlichkeit noch etwas zuzuspitzen: Erzeugen Blogs überhaupt Öffentlichkeit? Wenn ich mich mit sechs oder sieben Kumpels in der Kneipe über Sabine Christiansen unterhalte, ist das halböffentlich und vermutlich nicht allzu interessant. Der unterschied zu einer analogen Diskussion im Blog (bzgl. Reichweite, Relevanz, Zahl der Teilnehmer) ist lediglich, dass die im Internet nachgelesen werden kann.

Damit wird es in den Augen vieler irgendwie medial und damit wichtig. Ist aber nicht so. Wenn man Banalitäten, randseitige Diskussion oder Nachgeplappertes druckt/sendet, gewinnt es ja nicht an Qualität.

Es gibt durchaus eine Reihe politisch engagierter Blogs. Wer sich selbt dafür interessiert, findet die auch und so bilden sie durchaus - vielleicht nicht direkt eine Gegenöffentlichkeit - aber eine aktivistische Community. Und die Grenzen scheinen mir da noch nicht final ausgelotet, vgl. US-Blogosphere.

@Hill: Wenn du Weblogs so unwichtig findest und als ungeeignet, eine Öffentlichkeit zu erzeugen, ansiehst, warum postest du dann einen Kommentar in einem Weblog? Ist das dann nicht Zeitverschwendung? Bedeutet nicht dein Kommentieren, dass du gelesen werden willst? Ist dein Kommentieren an sich also nicht ein Widerspruch zu dem, was du in deinem Kommentar sagst?

Ich hätte ja z.B. nichts von deinem Kommentar erfahren, hättest du ihn nicht hier veröffentlicht.

Natürlich schaffen Weblogs also Öffentlichkeit. Eine sehr sehr vielfältige sogar. Deswegen ist jeder Versuch, Weblogs insgesamt in die eine oder andere Ecke zu schieben, unsinnig. Genauso als ob man behaupten würde, dass E-mails unwichtig oder uninteressant seien.

"Gegenöffentlichkeit" ist ein wunderbar schmissiger Begriff, der so recht verwegen daherkommt. Gegenöffentlichkeit in einer so ausgeprägt vielfältigen Medienlandschaft wie der unseren herzustellen, ist schon nicht ganz einfach. Und daß Weblogs, nur weil sie offen zugänglich sind, schon öffentlich oder gar gegenöffentlich sind, ist doch nicht viel mehr als ein frommer Wunsch. Seine öffentliche Weihe erhält ein gegenöffentlicher Weblog doch erst, wenn er in der erstöffentlichen Medienlandschaft zitiert wird. Im Kreise eigener Fans sind Blogs ungefähr so meinungsbildend wie Stammtischreden in der Kneipe. Da könnte auch ein Journalist daherkommen und von Volkes Stimme berichten. Tut nur meist keiner.

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