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Heiko Hebig
Heiko Hebig lives and works in Hamburg, Germany.
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C. P. und W. L., Zugbegleiter


oder: Der Kunde ist kein König

Ein Gedächtnisprotokoll

Ort: ICE 070 von Hannover Messe nach Hamburg, 15. März 2005, ca. 20:30 Uhr

Im Abteil: Nico Lumma, Björn Ognibeni, Philipp Redeker und Michael Schuckmann und ich, Heiko Hebig

Die Abteiltür wird geöffnet von C. P., Mitarbeiterin der Deutschen Bahn. Fahrkartenkontrolle. Alle Anwesenden zeigen Ihre Fahrkarten. Nico Lumma weist Frau P. darauf hin, dass es bei seinem ausgedruckten Online-Ticket ein Problem geben könne, da er inzwischen eine neue BahnCard habe und die BahnCard-Nummer nicht mit der BahnCard-Nummer seines Online-Tickets überein stimme. Frau P. überprüft das Online-Ticket und bestätigt Nico Lummas Aussage: BahnCard-Nummer auf dem Ticket und auf Nicos BahnCard stimmen nicht überein. Nico erklärt, dass er nach der Buchung des Online-Tickets ein Upgrade von einer BahnCard 25 auf eine BahnCard 50 gemacht habe, und dass sich dabei leider die BahnCard-Nummer geändert habe, obwohl die BahnCard-Nummer unverändert bleiben sollte. Nico erklärt zudem, dass der Schaffner auf der Hinfahrt von Berlin nach Hannover diesen Umstand telefonisch überprüfen konnte. Nico wurde von diesem Schaffner nach der Überprüfung mitgeteilt, das Ticket sei "OK". Dieses wurde zudem von dem Schaffner der Hinfahrt schriftlich auf Nicos Ticket bestätigt.

Zugbegleiterin P. sagt hierzu, dass das Online-Ticket von Nico nicht gültig sei, dass Sie dieses nochmals überprüfen würde, aber dass Sie davon ausgehe, dass Nico nochmals bezahlen müsse. Sie verschwindet mit Nicos Ticket und BahnCard.

10 Minuten später erscheint Frau P. mit dem Zugchef. Sagt Frau P.: "Der Zugchef erklärt Ihnen nun nochmals, warum Ihr Ticket nicht gültig ist." Nun hält der Zugchef den angekündigten Vortrag darüber, dass BahnCard-Nummer und Ticket nicht übereinstimmen. Nico erklärt nochmals, dass er, nachdem das Ticket gebucht und bezahlt wurde, eine neue BahnCard 50 erhalten habe, und die BahnCard-Nummer der neuen BahnCard 50 leider nicht mit der Nummer der alten BahnCard 25 übereinstimmt. Dieses sei nicht seine Schuld. Der Schaffner habe diesen Umstand am Vortag telefonisch überprüfen können. Der Zugchef sei doch bitte nun so nett, diese Überprüfung ebenfalls telefonisch durchzuführen.

Zugchef L. erklärt hierauf, dass sich der Schaffner am Vortag falsch verhalten habe. Nicos Ticket sei ungültig. Basta. Dieses könne auch nicht weiter telefonisch überprüft werden. Nico müsse den Ticketpreis nachzahlen.

Nico verweigert die Nachzahlung. Michael Schuckmann macht in diesem Moment ein Foto der Zugbegleiterin. Frau P. fordert Michael auf, das Foto zu löschen. Michael verweigert die Löschung. Die Stimmung ist angespannt. Die Diskussion wird allerdings sachlich fortgesetzt. Alle Reisenden versuchen nun, neutral zu vermitteln. Die Zugbegleiter bleiben stur und wollen Nicos Ticket nicht telefonisch überprüfen. Nico bleibt stur und will nicht zahlen, da er bereits für ein Ticket gezahlt hat.

Die Zugbegleiter verlagen von Nico nun eine Identifikation mittels Personalausweis. Nico verweigert die Herausgabe seines Personalausweises und weist darauf hin, nichts falsches getan zu haben. Die Zugbegleiter kündigen an, nun den Bundesgrenzschutz am nächsten Bahnhof um Amtshilfe zu bitten.

Zugchef L. ruft über Lautsprecher aus: "Eventuell mitreisende Beamte des Bundesgrenzschutzes mögen sich in Wagen 2 melden." Nico Lumma kontert: "Ich bin unbewaffnet!" Hierauf Herr L.: "Das kann als Randale ausgelegt werden."

Nun versucht Björn Ognibeni in einer längeren Diskussion auf dem Zugflur die Bahnmitarbeiter von Ihrem unsinngen Vorhaben, die Polizei einzuschalten, abzuhalten. Ohne Erfolg.

Schließlich hält der Zug in Hamburg-Harburg. Nico verlässt freiwillig den Zug, begleitet durch Frau P., Herrn L. und mich. Am Bahnsteig warten bereits zwei Beamte des Bundesgrenzschutzes. Die Zugbegleiter erläutern die Situation und übergeben den Rebell Nico in die Hände der Staatsgewalt. Zudem bitten Sie Beamten, Michael aufzufordern, sein Foto von Frau P. zu löschen. Die Polizeibeamten erklären, dass sie gegen das Foto keine direkte Handhabe hätten. Michael, Philipp und Björn setzen die Reise nach Hamburg fort, Nico wird auf die Wache gebeten. Auf dem Weg zur Wache erklärt Polizist Nr. 1 (kein Name auf der Uniform): "Da sind Sie aber auf zwei sehr unflexible und schlecht geschulte Mitarbeiter der Bahn gestossen. Wir müssen jetzt leider Ihre Personalien aufnehmen, weil Sie mit einer ungültigen Fahrkarte angetroffen worden sind."

Die Beamten des Bundesgrenzschutzes sind sehr nett und höflich, offensichtlich verwundert über die gesamte Situation. Nicos Personalausweis wird überprüft. Eine Zahlungsaufforderung über 70 Euro wird ausgehändigt mit der Bitte, den gesamten Vorfall nochmals der Fahrkartenstelle am Hauptbahnhof zu erklären. Ich bitte die Beamten um Ihre Namen. Nico erhält einen Zettel mit den Namen der Beamten, Namen der Dienststelle und Datum und Uhrzeit des Vorfalls.

Nico und ich setzen den Rest der Heimreise via S-Bahn fort.

Hierzu bei Nico: Ende einer Dienstfahrt

Comments to this weblog entry:

Etwas Ähnliches ist einem Freund von mir passiert. Er geriet an einen Bahnbeamten, der sein Bahnticket nicht anerkannte, weil darauf mit Bleistift ganz klein die Umsteigezeiten notiert waren. Es handele sich um ein Dokument, das seine Gültigkeit verliere, wenn handschriftliche Vermerke darauf seien.
Das Ganze eskalierte schließlich auch bis zum Bundesgrenzschutz. Mein Freund hat die Geschichte mit Wut im Bauch an die Presse gegeben und die Berliner Morgenpost glaube ich druckte das dann ab (inkl. Foto mit dem betreffenden Ticket). Die Bahn entschuldigte sich bei ihm und der betreffende Beamte wurde sogar entlassen. Nicht nur aufgrund dieses Zwischenfalls, er war bereits einschlägig bekannt für seine "kundenfreundliche" Art und der Zeitungsartikel brachte das Fass schließlich zum Überlaufen.

Klar, der Mensch hat große Scheiße gebaut - aber das tun andere JETZT auch. Auch ein kleiner, unfreundlicher Schaffner hat ein Persönlichkeitsrecht und das wird mit Füssen getreten. Find ich absolut ungut und stellt jene, die es tun, für mich auf eine Stufe mit einer Zeitung, die auch gern hetzt und ihren Rachegefühlen (gern auch berechtig) freiesten Raum läßt.

Schaffner tragen Namensschilder im Dienst.

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. (-; Find ich gut, dass ihr die Namen rausgenommen habt - ihr kritisiert fair und die Geschichte bleibt ja trotzdem brisant. Hat sich die Bahn inzwischen gezuckt?

Wass diesem reise 1e klasse oder 2e klasse?

Hallo, mir ist da was ähnliches passiert:

An einem Fahrkartenautomaten erwarb ich ein Ticket. Vor meiner Abfahrt stellte ich fest, dass ich mich bei der Eingabe des Datums geirrt hatte. Am "Service-Point" fragte ich nach, ob ich den Fahrschein umtauschen könne. Die Mitarbeiterin setzte einen Stempel auf den Fahrschein und trug handschriftlich ein, dass er nur an diesem Tag gültig ist.

Im Zug wurde ich dann eines Besseren belehrt. Der Zugchef forderte mich auf eine neue Fahrkarte zu kaufen, da das Personal am "Service-Point" nicht berechtigt sei Änderungen auf den Fahrscheinen vorzunehmen. Ich sah nicht ein doppelt bezahlen zu müssen und warb um Verständnis, da ich mich auf die Aussage der Mitarbeiterin am "Service-Point" verlassen habe. Der Zugchef wurde im Ton sehr unfreundlich, was nicht dazu beitrug das ich bereit war eine neue Fahrkarte zu lösen. Da ich nicht bereit war zu zahlen, wollte der Zugchef meine Personalien feststellen. Ich sagte ich könne doch aussteigen und dann meinen Fahrschein "ordnungsgemäß" im Reisezentrum umtauschen. Darauf ließ er sich ein und ich verstand dies als Kompromiß.

Mir war nicht bewußt,dass am Bahnsteig dann zwei Beamte des Bundesgrenzschutzes auf mich warteten. Ich fand die ganze Situation absurd und wollte nur meine Fahrkarte umtauschen. Mein Bestreben zu gehen wurde dann als Fluchtversuch gewertet. Im Schlepptau und mit Polizeigriff wurde ich wie ein Krimineller durch den Bahnhof geschleust. Auf der Wache war ich sofort bereit meinen Ausweis vorzulegen. Trotzdem musste ich alle meine Taschen leeren. Die Beamten sagten: "..wollen wir doch mal sehen ob du auch einen festen Wohnsitz hast, dann darfst du gehen..." Ich sah mich urplötzlich einer Schikane und Willkür ausgesetzt.

Mit einem gelben Schein, "erhötes Beförderungsentgelt" durfte ich dann die Wache verlassen. Im Reisezentrum erklärte ich, was passiert war. Ich bekam einen "ordnungsgemäßen" Stempel und durfte dann weiterfahren. Die Mitarbeiterin sagte, dass der Service-Point Fahrscheine ändern dürfe, der Zugchef hätte mich mitnehmen müssen. Ein erhötes Beförderungsentgelt musste ich nicht zahlen.

Da ich noch nie Kontakt mit Polizei oder Bundesgrenzschutz hatte stand ich ganz schön unter Schock.


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